Portrait – Susanne

Type: University
Semester: 2
Skills: Photography, PS

Year: 2013

Concept – first portrait:

Ich habe Susi portraitiert. Susi ist der hilfsbereitete Mensch den ich kenne und setzt sich immer für Andere ein. Schon während ihrer Ausbildung hat sie mehrmals Menschen, deren Kreislauf versagte, stabilisiert und reanimiert. Einmal waren wir unterwegs in der Bahn, als diese am Hauptbahnhof hielt. Kurz bevor sie weg fahren wollte sprang Susi aus der Bahn, so schnell, dass ich nicht hinterher kam, weil ein Mann auf der Straße einfach nach hinten weg gekippt war. Sie leistete erste Hilfe und stabilisierte diesen bis der Krankenwagen eintraf. Zuletzt hörten wir eine Frau im Wohnblock um Hilfe schreien. Susi zögerte keinen Augenblick und alarmierte die Polizei. Sie rannte raus um den Ort des Geschehens ausfindig zu machen. Dabei legte sie sich sogar mit dem Angreifer an. Zum Glück war die Polizei bereits eingetroffen. Immer wenn irgendjemand Hilfe braucht ist sie da. Auch bei Kleinigkeiten hilft sie immer wo sie nur kann. Sie spendet Blut, Thrombozyten, Knochenmark und ist auch als Organspenderin eingetragen. Dagegen hat sie, auch wenn sie schon sehr früh von zuhause ausziehen musste und Verantwortung übernehmen musste, ihr inneres Kind nicht verloren: sie erfreut sich über jede Kleinigkeit. Sagt kindlich naiv immer geradeaus was sie denkt. Liebt es in den Zoo zu gehen und pflückt manchmal sogar noch gerne Blümchen. Hier sieht man wie Susi, mit einer aus Gänseblümchen und Butterblümchen gebastelter Krone, draußen im Innenhof steht. Hinter ihr kann man kaum etwas erkennen. Man sieht nur noch die Umrisse einer Hecke und eine gelbliche wand. Die Farbe grün dominiert. Susis Blick ist fröhlich, kindlich und mädchenhaft. Sogar ein wenig demütig. Da sie sich bei der ganzen Fürsorge um andere Menschen sich immer ein wenig selbst verliert. Ich wählte trotz Mittagssonne einen ISO Wehrt von 800 und eine relativ große Verschlusszeit. All diese Einstellungen führten dazu, dass das Foto ist absichtlich überbelichtet wurde und nur sehr wenig Schatten aufweist um eine gute, schon fast himmlische Umgebung zu suggerieren. So stellte ich Susi als braver Engel dar, als Mutter Theresa. Was die Tiefenschärfe angeht, wählte ich eine Blendenöffnung von 3,5 um so wenig Tiefenschärfe wie mit diesem Objektiv nur möglich zu schaffen und den Hintergrund weitestgehend verschwimmen zu lassen um den Paradiesischen Charakter zu verstärken.

Susi

Concept – Second portrait

Passend zu ihrer Persönlichkeit hat Susi auch einen Sozialen Beruf ergriffen und sorgt als MTRA, also röntgen technische Assistentin, dafür, dass Krebskranken Menschen ein besseres Leben haben oder gebrochene Knochen wieder geheilt werden können. MTRA, dass heißt Schichtdienst, dass heißt arbeiten wenn alle Anderen zuhause sind. Dass Heißt unruhige, schlaflose Nächte. Heißt aber auch kein bisschen Tageslicht zu sehen, da es in der ganzen Abteilung keine Fenster gibt. Außerdem ist sie häufig auf Intensivstation eingesetzt, so wie heute. Dort hat sie sich mit den ganzen Betrunkenen rum zu schlagen. Diese in die richtige Position zu bringen um sie Röntgen zu können erweist sich meistens als äußerst schwierig. Wenn es keine Betrunkenen sind, dann sind es komatöse und bettlägrige Patienten. Um röntgen zu können muss es hinter dem Knochen eine Auffangebene geben, so wie es in der Fotographie einen Fotofilm (Träger) geben muss auf dem dass Licht gespeichert wird. Dieser befindet sich in einer schützenden Kassette. Die Kassette muss sie also meist unter den Patienten legen der sich nicht bewegen kann, also muss Susi die schweren Patienten heben um die Kassette darunter zu legen. Nach der Aufnahme muss sie den Patienten erneut heben um die Kassette wieder an sich zu nehmen um diese auswerten zu können. Wenn was schief läuft oft mehrmals pro Patient. Ganz schön anstrengend. Manchmal sind es aber auch Fälle die richtig an die Substanz gehen. An einem Tag trifft sie Patienten die noch kerngesund zu sein scheinen und da sie regelmäßig geröntgt werden müssen, um zu sehen ob der Krebs vergrößert hat, bekommt Susi genau mit wie sich ihr psychischer und physischer Zustand zunehmend verschlechtert. Manchmal bis zum Tode. Manchmal sogar bei Kindern. Wir sehen Susi durch die Glasscheibe, mit einem voyeuristischen Blick, sich erschöpft von der Arbeit an das Arbeitsgerät anlehnend. Durch ihr gähnen wird ihre Erschöpfung von der Psychisch und Körperlich anstrengenden Arbeit unterstrichen. Der Blick durch die Scheibe lässt das Bild wie eine authentische Momentaufnahme wirken. Im Vordergrund stehen Komputerbildschirme die auch ein wesentlicher Bestandteil des Berufes sind da dort die Photographien ausgelesen, dargestellt und gespeichert werden. An der Fensterscheibe kleben zwei Markierungen die von den MTRA benutzt werden um an zu zeigen ob es sich beim abgelichteten Knochen um den rechten oder linken handelt. Susi befindet sich relativ Zentriert in dem Bild. Bei dem verfügbaren Licht handelt es sich um abgedunkelte Halogenröhren in den Räumen und um die Beleuchtung der Geräte.

Susanne Moser

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